18. Oktober 2010 Kategorie Medizin

Wenn Medikamente die Krankheiten verursachen, die sie verhindern sollten

Ab dem 1. November dieses Jahres ist das Diabetes-Medikament Avandia und alle anderen, die den Wirkstoff Rosiglitazon enthalten, verboten. Dieser Wirkstoff steigert die Empfänglichkeit der Zellen für körpereigenes Insulin, verringert also die Insulinresistenz, den Hauptgrund für Diabetes Typ2.  Bereits seit dem Jahr 2007 stand dieser Moment bevor, denn der Wirkstoff, verursacht das, was man im Allgemeinen als Folge einer Diabetes-Erkrankung erwarten kann – Herzinfarkte und Herzversagen. Damit verliert der Hersteller GlaxoSmithKline mehrere Milliarden Einnahmen (3,2 Milliarden in 2006). Der Vorläufer von Avandia, Rezulin, war übrigens wegen Leberschädigung vom Markt genommen worden.

In Deutschland wird das Medikament nicht so häufig angewendet wie in Amerika. Nur wenn das übliche Metformin nicht ausreicht, wurde bisher auf Rosiglitazon-haltige Präparate zurückgegriffen. Immerhin 86.000 gesetzlich Versicherte sind jedoch laut einem Artikel in der Frankfurter Rundschau betroffen.

Eine weitere Maßnahme der Food & Drug Administration (FDA) in den USA, die für die Zulassung von Medikamenten zuständig ist, scheint bei uns noch nicht angekommen zu sein. Medikamente zur Behandlung der Osteoporose, die Bisphosphonate enthalten, also z.B. Fosamax, Alendron, Tevabone oder Actenol können spontane Knochenbrüche und die Zerstörung der Kieferknochen verursachen! In Deutschland sind bereits mehr als 600 Fälle bekannt. Deshalb müssen ab sofort auf den Packungen in den USA entsprechende Warnhinweise angebracht werden. Darüber hinaus verdoppeln diese Medikamente bei längerer Einnahme das Risiko an Speiseröhrenkrebs zu erkranken, wie Forscher im British Medical Journal veröffentlichten (1).

Die amerikanischen Wissenschaftler sind derzeit noch der Meinung, die Vorzüge des Medikaments würden die Nachteile überwiegen, deshalb “nur” die Warnhinweise. Dafür wird in den USA weiterhin Avandia verkauft, allerdings nur, wenn die Patienten schriftlich erklären, über das Risiko aufgeklärt worden zu sein und es in Kauf zu nehmen.

Haben Sie noch 7 Min. Zeit? Schauen Sie sich diesen Beitrag in Frontal 21 an und erfahren Sie, wie bei uns der Patientenschutz vor Medikamentennebenwirkungen gehandhabt wird.

(1) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20813820

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