Wieder 15 Pilotwale in der Bucht von Taiji abgeschlachtet
Bericht aus Taiji: 21. September 2010
von Scott West
Sea Shepherd Conservation Society
Schätzungsweise 15 Pilotwale wurden heute morgen in der Bucht von Taiji, im Japanischen Bezirkt Wakayama, getötet.
Im ersten Tageslicht brachte ein Boot die Delphintrainer vom öffentlichen Strand hinüber zu der Killerbucht, wo die Wale festgehalten wurden. Sie waren nicht lange fort, dann kamen sie zurück und verließen die Gegend in ihren Autos. Anscheinend war keiner der Wale für den Handel mit lebenden Tieren geeignet. Vielleicht waren sie schon zu sehr von den Schlägen verletzt, mit denen sie in der flachen Bucht zurückgehalten wurden. Die Behauptung, die Meeresaquarien weltweit verbreiten, dass sie nämlich nicht am Töten von Walen beteiligt sind, entpuppte sich heute als Lüge.
Kurz nachdem die Trainer verschwunden waren, kamen die “Fischer”. Ihre knallharte Effizienz straft ihre Behauptungen Lügen, dass sie Delphine und Wale achten und verehren.

Planen werden über die eben abgeschlachteten Wale gebreitet
Es war bald vorbei und die Netze wurden heruntergelassen. Dann verließen kleine Boote mit ihrer toten Ladung, die sie sorgfältig unter Planen versteckt hielten, die Bucht. Die Boote verschwanden um die Ecke außer Sicht, daraufhin verließen auch bald Polizei und alle anderen die Gegend. Wir blieben noch und entdeckten dann von einem anderen Aussichtspunkt aus einen Kahn vor der Bucht, der mit Planen bedeckt war. Dort hatte man die Wale aus dem Wasser geholt. Die toten Wale wurden mit Seilen, die an ihren Schwanzflossen befestigt waren, von dem Kahn herab auf ein Delphinjägerboot gezogen. Drei Mal zog das Boot etwa 5 Wale von dem Kahn herunter und transportierte sie zum Schlachthof im Hafen von Taiji.
Im Schlachthof waren die großen Tore geöffnet und die Aktivitäten im Bereich der Meeresfrüchte spielten sich vor aller Augen ab. Niemand schämt sich dort. Auf der Seite, wo die Wale hingebracht wurden, war das allerdings nicht der Fall. Die Tore auf dieser Seite waren fest verschlossen und eine riesige orangefarbene Plane hing davor, um die Vorgänge dort vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Als das Jagdboot seine letzte Ladung toter Wale zum Schlachthof brachte, war Sea Shepherd vor Ort, um die Lieferung zu dokumentieren.

Die toten Wale werden in den Schlachthof gezerrt.
Selbst hier versuchten die “Fischer” die Körper ihrer Opfer vor unseren Blicken zu verstecken. Sie bedeckten sie mit einer Plane als sie sie aus dem Wasser über die Betonstufen nach oben zogen und dann unter einem fast ganz herabgelassenen Rolltor durchzogen. Das Tor schloss sich daraufhin schnell.
Warum treffen diese Männer solche drastischen Vorkehrungen, um ihre Aktivitäten vor uns und damit vor der Welt zu verbergen? Wenn sie stolz auf ihren Beruf und ihre sogenannte “Kultur” wären, warum verbergen sie dann ihre Taten? Nein, es ist eine Schande und sie wissen es. Sie sind sichtbar wütend auf uns, weil wir ihre Lüge an die Öffentlichkeit bringen.
Ich wurde auch wütend, nachdem ich Zeuge der Ereignisse an diesem Morgen geworden war. Ich war wütend auf meine eigene Unfähigkeit, diesen Dingen ein Ende zu setzen. Ich habe mein Berufsleben als FBI Beamter verbracht und war immer in der Lage gewesen, einzugreifen, um kriminelles Verhalten zu beenden. Das einzige, was es mir leichter macht, ist, hier zu sein und es zu wagen, diese entsetzliche Lüge an die Öffentlichkeit zu bringen. Vielleicht wird die Welt hören, was hier vorgeht und Druck machen, um dem ein Ende zu setzen. Nur eine Handvoll Männer aus Taiji machen bei diesen Taten mit und doch ist die ganze Stadt von ihren Verbrechen gezeichnet. Taiji ist eine sehr kleine Küstenstadt im ländlichen Japan und doch ist die ganze japanische Nation von den Verbrechen befleckt, die diese Männer begehen.
Ich verließ den Ort und seine Leute voller Wut. Wie können sie es wagen, diese Verbrechen zu ignorieren? Eine kurze Zeit lang hasste ich alle Japaner.
Ungefähr eine Stunde nach den Vorfällen in der Bucht, spazierte ich durch die nahe gelegene Stadt Katsuura und sah die junge Verkäuferin aus der Bäckerei. Sie lächelte, als sie mich wiedererkannte und grüßte mich freundlich. Ich wollte ihn noch festhalten, aber mein Hass schmolz dahin. Es sind nicht die Japaner, die ich hasse. Ich hasse die Taten einer Handvoll Männer und die bewusste Blindheit der Bevölkerung. Ich möchte die Japaner dazu ermutigen, ihre Augen zu öffnen, sodass sie erkennen, wie der größte Teil der Welt diese Taten einiger weniger Männer in Taiji sieht. Es liegt an der Welt, die Japaner wissen zu lassen, was für ein Ansehen ihnen diese wenigen Männer in Taiji verschaffen.
Der 14. Oktober 2010 wurde von Ric Barry zum Tag des internationalen Protests ausgerufen, an dem der japanischen Regierung möglichst weltweit mitgeteilt werden sollte, wie wir uns fühlen. Seit 2003 organisiert Sea Shepherd Protestaktionen zum Schutz der Delfine und Wale. Ich wünsche mir, dass dieses Jahr auch in Deutschland viele Menschen den Tag nutzen, um vor der Japanischen Botschaft und den Konsulaten dagegen zu protestieren.

