Das nächste giftige Erbe
Merle Savage war ein “Freiluftmensch”, hatte ihre Freude an all den wunderbaren Dingen, die Mutter Natur zu bieten hat. Sie kletterte auf Alaskas Berge und wanderte durch den Grand Canyon. Aber dann kam die große Ölpest und danach gab es kein Klettern mehr, kein Wandern und nur noch wenig Freude.
Sie arbeitete bei der Reinigung in der Folge der Exxon Valdez Katastrophe mit. Savage sagt, dass sie wochenlang einen Nebel aus Rohöl und Lösungsmitteln einatmete.
Bis zu diesem Zeitpunkt war sie für ihre fünfzig Jahre ganz gesund – und so sah sie auch aus – aber kurz darauf begannen die ersten schweren Gesundheitsprobleme, die zwei Jahrzehnte lang anhielten: Hustenanfälle, heftiger Durchfall, Lungenentzündungen, verstopfte Blutgefäße. Der Beginn ihrer Leberzirrhose verblüffte die Ärzte.
“Wir alle husteten und erbrachen uns monatelang”, sagt Savage, die keine Vorgeschichte von Rauchen oder Trinken hatte und keiner Atemmaske während der Reinigungsarbeiten trug. “Wir dachten, es sei eine Erkältung. Exxon sagte uns, Rohöl sei ungiftig und wir glaubten ihnen.”
Sie hat wenig juristische Möglichkeiten – ein Gericht erklärte die medizinischen Aufzeichnungen von Exxon bis 2023 für geheim – aber heute – einundzwanzig Jahre später, gilt ihre Hauptsorge nicht ihr selbst. Ihr Anliegen und das vieler anderer Umweltaktivisten, die sich mit den Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko von 2010 befassen ist, die Gesundheit ihrer heutigen Leidensgenossen zu schützen, die ähnlichen Bedingungen ausgesetzt sind – sowie einem noch giftigeren Öl. Merle Savage möchte nicht, dass noch jemand einen solchen Alptraum wie sie selbst erleben muss.
Fischer verklagen BP und Nalco
Bei der derzeitigen Ölpest kommen Chemikalien, die das Öl auflösen sollen noch mehr zum Einsatz als damals in Alaska. Eine Gruppe von Fischern hat inzwischen Klage gegen BP und Nalco, den Hersteller der Chemikalien, eingereicht. Sie argumentiert, dass die Lösungsmittel, die zur Reinigung der Ölverschmutzung im Golf von Mexiko zum Einsatz kommen, vier mal giftiger sind, als das Öl selbst und dass auch sie die Umwelt und die Menschen vergiften.
Über 4 Millionen Liter Corexit 9500 und Corexit 9527 sind seit dem 20. April bereits über der Golfregion versprüht worden, um das Öl aufzulösen, obwohl es weniger schädlich Methoden gibt. Die Kläger sagen, dass das Lösungsmittel viel größere Schäden verursacht, als die Ölpest selbst, wenn sie an die Küsten gelangt wäre.
Corexit 9527 wurde bereits bei der Exxon Valdez Katastrophe an Alaskas Küsten eingesetzt und steht unter dem Verdacht, ernste Gesundheitsschäden bei den damaligen Helfern verursacht zu haben. In Großbritannien sind beide Chemikalien seit 1998 verboten, weil sich zeigte, dass sie an felsigen Küstengebieten Umweltschäden hervorrufen.
Gesundheitsschäden
Jerald Ault, Professor an der Universität von Miami, sagte, Corexit könnte “bedeutende” Auswirkungen auf die Nahrungskette sowie auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit haben. Es gibt Berichte, dass Delphine und andere Tiere an den Auswirkungen der Chemikalien sterben. “Man muss darauf schließen, denn vorher starben sie nicht und jetzt sterben sie. Welchen Schluss kann man wohl daraus ziehen?”
BP beurteilt das gesundheitliche Risiko für Menschen als gering und führt Unterlagen von Nalco an, die die gesundheitlichen und Umweltrisiken als “niedrig” einstufen, trotz der Tatsache, dass einem der Bestandteile im Tierversuch Schäden an den roten Blutkörperchen und an den Nieren nachgewiesen wurden. “Untersuchungen an Menschen lassen darauf schließen, dass der menschliche Organismus relativ widerstandsfähig gegenüber solchen Auswirkungen ist, wenn das Lösungsmittel angewendet wird, wird es verdünnt und in der Umwelt heruntergebrochen”, sagte ein Mitarbeiter von BP.
Interessanterweise sitzen ein früherer Chef von BP und einer von Exxon Mobil im Aufsichsrat von Nalco.
Quellen:
http://www.esquire.com/blogs/politics/gulf-oil-spill-health-effects-062110#ixzz0rpKIHK8J
http://www.fairwarning.org/2010/06/fishermen-sue-bp-and-chemical-company-claim-dispersants-are-poisoning-the-gulf/
http://www.mcclatchydc.com/2010/06/07/95474/with-1-million-gallons-of-dispersants.html
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