Archive for März, 2010

29. März 2010 Kategorie Ernährung

Du bist, was du isst

Sind Sie ungeduldig? Treffen Sie manchmal Entscheidungen, die sich schlecht auf Ihre Finanzen auswirken? Schuld daran könnte Ihr Essen sein. Fast Food ist nicht nur schlecht für unseren Körper, es beeinflusst den ganzen Menschen, vor allem auch unser Verhalten und unsere Entscheidungen.

Die Ursprungsidee von Fast Food – dem schnellen Essen – war die Erhöhung der Effizienz. Die Menschen sollten schnell eine Mahlzeit verzehren, um sich dann anderen Dingen zuwenden zu können. Forscher haben jedoch herausgefunden, dass der bloße Anblick eines Fast Food Logos schon Ungeduld verursachen kann, die dazu führt, dass wir z.B. andere Produkte auswählen, andere wirtschaftliche Entscheidungen treffen, als ohne diesen Einfluss.

In einem Experiment zeigten die Forscher den Versuchspersonen  Fast Food Symbole wie zum Beispiel das McDonalds Logo auf einem Bildschirm, allerdings nur wenige Millisekunden lang, sodass das Bild nicht bewusst erfasst werden konnte. In einem nachfolgenden Lesetest, lasen die Versuchspersonen aus dieser Gruppe deutlich schneller, als die, die nur schwarze Quadrate auf dem Bildschirm gesehen hatten. Es bestand keinerlei Vorteil darin, früher mit dem Lesen fertig zu sein.

In einem weiteren Versuch sollten sich die Versuchspersonen an einen Aufenthalt in einem Fast Food Restaurant erinnern. In der Folge wählten sie eher Zeit sparende Produkte aus – wie zum Beispiel ein 2 in 1 Shampoo. Ein letztes Experiment zeigte, dass die Bereitschaft eine Belohnung durch Warten zu vergrößern durch den Anblick eines Fast Food Logos verringert wurde. Die Versuchspersonen wählten eher eine kleinere Sofortzahlung, statt eines späteren, größeren Betrags.

Es ist also ähnlich wie beim Pawlow-Reflex: so wie die Klingel bei den berühmten Hunden den Speichelfluss anregte, löst der Anblick eines Fast Food Logos bereits den “Reflex des Zeit sparens” aus, ungeachtet dessen, ob Zeit ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist. Schneller zu gehen ist zum Beispiel sinnvoll, wenn man sonst zu spät zu einem Termin kommen würde, ist aber ein Zeichen von Ungeduld, wenn man einen Spaziergang im Park macht.

“Wenn man in Betracht zieht, welche Rolle Ungeduld in finanziellen Dingen in der derzeitigen Wirtschaftskrise gespielt hat”, sagt Chen-Bo Zhong, einer der Studienleiter, “müssen wir über das Kalorienzählen hinausschauen, wenn wir die Auswirkungen von Fast Food erforschen wollen, da es sich auch auf unsere  alltäglichen psychischen Reaktionen und unser Verhalten in einem weiter gefassten Bereich auswirkt, als vorher angenommen.”

Quelle: University of Toronto, Rotman School of Management (2010, March 26). Exposure to fast food can make us impatient. ScienceDaily.

27. März 2010 Kategorie Medizin

Keine geringere Sterblichkeit durch Mammografie

Die Früherkennung von Brustkrebs mittels der Mammografie wird uns seit Jahren empfohlen. Doch nun bestätigt sich wieder einmal, dass diese Untersuchung keinerlei Vorteile hat und die Sterblichkeitsraten sich durch ihre Anwendung nicht  verändert haben.

Die Universität von Kopenhagen und das Nordic Cochrane Institut untersuchten die Auswirkungen der Mammografie auf die Sterblichkeitsraten bei Brustkrebs, indem sie in Dänemark Gegenden, in denen Mammografien flächendeckend durchgeführt werden, mit Regionen verglichen, in denen dies nicht der Fall ist. Die Schlussfolgerungen sind eindeutig:

“Wir konnten keine Auswirkungen des Dänischen Mammografie-Screening Programms auf die Sterblichkeitsrate durch Brustkrebs finden. Der Rückgang der Sterblichkeit, den wir in Gegenden mit Mammografie-Screenings beobachteten, glich dem in Gegenden ohne Screening Programme oder war sogar noch niedriger. Er lag außerdem bei den Gruppen, die  für das Screening Programm zu jung sind und lässt sich eher durch veränderte Risikofaktoren und eine verbesserte Behandlung erklären, als durch das Mammografie-Screening.

Quelle: BMJ 2010; 340: c1241

7. März 2010 Kategorie Tierrechte

Tierschutz oder Tierrechte – was ist der Unterschied?

Indien hat gerade verfügt, dass Zirkus- und Zooelefanten alle in Reservatzonen überführt werden sollen, wo sie ihr Leben in relativer Freiheit genießen können. Relativ, weil diese Zonen, obwohl größer als das, was diese Elefanten bisher kannten, dennoch begrenzt sind und weil beobachtet werden muss, ob sie sich in der Freiheit überhaupt noch zurecht finden und anpassen können. Betroffen sind etwa 130 Tiere. Erreicht wurde diese Entscheidung aufgrund der stetigen Arbeit von Tierrechtlern. Gleichzeitig leben noch etwa 3.500 Elefanten in Gefangenschaft, entweder als Arbeitselefanten oder dressiert in Tempeln, wo sie stundenlang fast unbeweglich stehen müssen und die Gläubigen in den Ganesha-Tempeln “segnen”, indem sie ihnen mit dem Rüssel den Scheitel oder die Stirn berühren.

Diese Nachricht ist gar nicht so neu, aber sie hat mich erneut zum Nachdenken gebracht über den Unterschied zwischen Tierschutz und Tierrechten. Das ist nämlich kein Wortspiel, dazwischen liegen Welten! Die Tierrechtler gehen davon aus, dass Tiere ihre eigene Würde und Unantastbarkeit haben und wir nicht das Recht besitzen, sie in irgendeiner Form zu benutzen, auszubeuten. Um beim Beispiel der Elefanten zu bleiben: Sie wären fast ausgestorben und wir haben sie lange geschützt. Doch wenn sich die Populationen in manchen Gegenden so gut erholen, dass sie für uns Menschen unbequem werden, geben wir sie sofort wieder zum Abschuss frei. Im Zweifel setzen wir also unsere Interessen immer über die der Tiere, insbesondere unsere wirtschaftlichen Interessen.

Es geht dabei nicht nur um Elefanten und andere vom Aussterben bedrohte Tierarten. Wir tun dasselbe mit unserem sogenannten “Nutzvieh”. Was für ein Wort! Nutzvieh und Tiere überhaupt gelten in Deutschland als Sachwerte, ihre Verletzung als Sachbeschädigung. Das lässt erahnen in welchem Geist wir Deutschen auf das Thema Tiere schauen. Der Tierschutz engagiert sich darin, z.B. die Haltung von Hühnern in zu kleinen Käfigen abzuschaffen – eine sehr lobenswerte Sache – aber niemand von den Tierschützern stellt infrage, ob wir das Recht haben, Hühner überhaupt zu halten, vom Essen einmal ganz abgesehen.

Die Frage der Tierrechte ist also viel weitreichender gefasst und behandelt das Thema einzig als Wahrung der Interessen der Tiere. Der Tierschutz dagegen relativiert die Tatsache, dass Tiere Rechte haben und versucht, dass es den Tieren möglichst gut gehen soll, solange wir sie “benutzen” können, wie wir wollen.

Wie halten Sie es? Sind Sie der Meinung, Tiere haben Rechte, die genauso unantastbar sind, wie die von uns Menschen?